Ein Buch: Handbuch Bio-Gemüse: Sortenvielfalt für den eigenen Garten

Unsere neueste Errungenschaft, das Handbuch Bio-Gemüse: Sortenvielfalt für den eigenen Garten von Andrea Heistinger. Dieses Buch hat nur einen Nachteil, es wird schwer wenn man es im Bett ließt, ca. 630 Seiten wiegen doch ein paar Gramm. In diesem Buch geht es oh Wunder um Gemüse und zwar um so ziemlich jedes Gemüse, das man in Gärten des deutschsprachigen Raums finden kann. Hinter diesem Buch steht in erster Linie Arche Noah ein Verein, der sich für die Erhaltung alter Nutzpflanzen einsetzt. Als ich das Buch zum ersten Mal durchblätterte blieb ich bei den Gänsefußgewächsen genauer gesagt bei der Gartenmelde hängen und es wurden Erinnerungen an meine Kindheit wach. Meine ersten Gärtnerversuche unter Anleitung der alten Dame aus dem Nachbarhaus und der Protest meines Bruders als er Melde essen musste (einmal hat es sein Teller nicht überlebt).

Das Buch beginnt wie so ziemlich jedes Buch mit einer Einleitung, in dieser geht es um die grundlegenden Dinge im Gemüseanbau, Bodenbeschaffenheit, Größe, Aussaat, Vorkultur und alles was das Herz in dieser Hinsicht begehrt. Es ist das erste Buch, in dem ich eine Erklärung finde was der Unterschied zwischen Reihensaat, Hordensaat und Breitsaat ist und was es für Arten der Bodenbearbeitung gibt (der Glaubenskrieg Wenden oder nicht Wenden).  Ein weiteres Thema ist biologischer Pflanzenschutz und das Ansetzen von Jauchen und Tees. Ein weiteres Thema in dieser Einleitung ist die Vielfalt. Die Vielfalt samenfester Sorten, die sich besonders gut in Tomaten und Kohlgewächsen erkennen läßt. Man denke nur an die in Farbe Form und Größe völlig verschiedenen Tomaten. Daß Blumenkohl und Rotkohl zur gleichen Art gehören, zeigt auch wie vielseitig der Begriff Kohl mit Leben gefüllt werden kann. Es ist halt nicht alles Kappes, wie der Rheinländer zusagen pflegt.

Dann geht es ans Eingemachte, von Ampfer (hatte ich mit den Vorsilben „Sauer“ eigentlich für ein Ackerbeikraut gehalten) bis Zuckerwurzel (wer oder was ist das) ist so ziemlich alles was man essen kann und in die Rubrik Gemüse fällt erwähnt. Darunter Unbekanntes wie Knollenziest oder Erdmandel, Vergessenes wie Gartenmelde oder Schwarzwurzel, hierzulande eher Exotisches wie Tomatillos und bekanntes wie Tomaten und Salat. Im wahrsten Sinne des Wortes in diesem Buch ist für jeden Geschmack und Garten etwas enthalten.

Jedes Gemüse wird wie folgt beschrieben: Details zum Anbau Freiland oder Gewächshaus, wie sieht die Jungpflanzenanzucht aus. Welche Temperaturen erwartet der Keimling und dann später die Pflanze. Düngen, braucht mein Gemüse Futter oder lebt es alleine von Wasser (wenn ja wieviel), Luft und dem was der Boden so hergibt? Weiter geht es mit der Pflege, Fruchtfolge und Mischkultur sowie der Pflanzengesundheit. Das „Wichtigste“ zum Schluss, Ernte und Lagerung und an einigen Stellen auch Rezepte. Es wird bei jeder Pflanze erwähnt, ob sie sich als Balkonpflanze eignet und es gibt Sortenbeschreibungen mit Bezugsquellen. Zu jeder Pflanze gibt es ausreichend Sortenfotos, die deutlich die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen einzelnen Sorten zeigen bzw. einem zeigen, wie die Pflanzen aussehen.

Mein Fazit: Gehört in jeden Bücherschrank oder besser neben das Bett, den Lesesessel oder die Couch von jedem der sich mehr oder weniger intensiv mit Gemüseanbau im eigenen Garten beschäftigt und der keine Lust mehr auf Massenprodukte aus dem Gartencenter oder dem Baumarkt hat. Wenn man erst einmal verstanden hat was Paradeiser, Vogerlsalat, Weißkraut (ja das ist wirklich Kappes) und Melanzani sind, merkt man, daß die Landwirtschaft früher wesentlich regionaler war als sie es heute mit europäischer Einheitskost ist und es gilt diese Vielfalt wieder zu entdecken.

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