Handbuch Samengärtnerei



Vor einigen Monaten schon hat eine ältere Ausgabe des Handbuchs Samengärtnerei von Andrea Heistinger den Weg in unser Bücherregal gefunden. Im ersten Moment kling es vor allem nach einem: Arbeit. Saatgutgewinnung war bis vor etwa 60 Jahren auf dem Land und in den Gärten etwas völlig Normales. Keiner kam damals auf die Idee sein Saatgut immer wieder zu kaufen. Wenn doch mal etwas schief gegangen war, dann tauschte man mit dem Nachbarn oder Verwandten. Die Vielfalt der (Nutz-)Pflanzen war wesentlich höher als heute und sie waren perfekt auf ihren Standort angepasst. Ein Standort mit ganz spezifischen klimatischen Bedingungen und Boden. Dies wurde erreicht, in dem nur Samen von den Pflanzen genommen wurden, die mit dem Boden, den Klimabedingungen und den Geschmacksnerven der Gartenbesitzer am besten klar kamen. Wer heute Saatgut sucht geht erst mal in den Gartencenter, Baumarkt oder in den Supermarkt und kauft was dort im Angebot ist. Dieses Angebot ist von den Alpen bis zur Ostsee gleich und mir kann keiner Sagen das die Witterungsbedingungen, der Boden und die Pflege des Gärtners überall gleich ist. Auch ist die Auswahl an Sorten damit auf eine niedrigen zweistellige Anzahl gesunken. Das heißt, dass ca. 75 % der in den 50iger Jahren in den Hausgärten und auf den Feldern vorhandenen Sorten verschwunden sind. Also holen wir uns die Hoheit über unsere Gärten und den Balkon zurück! Ja, auch Zierpflanzen kann man selber vermehren.

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Die ersten Seiten beschäftigen sich mit dem Vorwort und der Frage nach dem Warum. Warum man Gemüse selber vermehren sollte und warum das wichtig ist für unsere Welt.

Der Titel des nächsten Abschnitts lautet: „Das kleine Einmaleins des Gemüse-Samenbaus“
Hier fühlte ich mich im ersten Moment an den Biologieunterricht in der Schule erinnert, die unterschiedlichen Vermehrungsmöglichkeiten werden genau so erwähnt wie der Aufbau einer Blüte. Dann ist da noch das Thema Bestäubung, reicht eine Pflanze oder braucht man mehrere, hat die Pflanze männliche und weibliche Blüten? Alles Dinge die hier grundlegend erklärt werden. Einige Arten können sich verkreuzen und die Samenträger müssen deshalb in die Isolation, wie man das am besten macht ist sehr anschaulich beschrieben.
Dann kommen noch ein paar Grundlagen der Gartengestaltung (z.B. Platzbedarf und Regenschutz)sowie die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für die Aussaat und Samenernte.

Einen ersten Versuch starteten wir im vorvergangenen Herbst mit den Tomatensamen einer Balkontomate. Und es sah letzten Sommer sehr gut aus, die drei daraus angezogenen Pflanzen standen in 10-Liter-Kübeln auf dem Balkon, hingen voller Blüten und lieferten eine gute Ernte.

Dieses Jahr werden wir es soweit der Hausbau es zulässt mit Salat, Tomaten, Tomatillos und Chilis versuchen. Ich werde dann im kommenden Frühjahr berichten wie sich die daraus gekeimten Pflanzen entwickelten. Denn wenn ihr damit anfangen wollt, die Ernte von Saatgut beginnt mit der Anzucht von Pflanzen im Frühjahr.

Andrea Heistinger gibt damit dem Hobbygärtner eine gute Anleitung für die eigene Saatgutvermehrung an die Hand. Das Handbuchs Samengärtnerei stellt eine optimale Ergänzung zum Handbuch Bio-Gemüse, Sortenvielfalt für den eigenen Garten von der gleichen Autorin dar. Es sollte seinen Weg in jedes Bücherregal von Menschen finden, die wissen wollen wo ihr Gemüse herkommt und zur Erhaltung alter Sorten beitragen wollen. Natürlich sollte es dort nicht nur herumstehen sondern als Informationsquelle fleißig genutz werden. Ihr wisst schon alles? Dann verschenkt das Buch!

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