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Loch Lomond oder ein erster Blick auf Schottland

Es war Juni, ein heißer Sommertag in der nordrhein-westfälischen Metropole Köln und in der Arena spielten Runrig [1] ihr letztes Konzert in Deutschland. Die Band würde sich nach den Abschlusskonzerten in Stirling nach 45 Jahren zur Ruhe setzen und ich hatte es nicht geschafft sie in ihrer Heimat einmal live zu sehen. Kennen gelernt hatte ich die Band 1990 während meiner Zeit in den USA durch meine schottische Kollegin, wenn sie Heimweh hatte erklang in der Wüste Arizonas „Loch Lomond“. Zu diesem Konzert nach Köln hatte ich meinen Mann mitgeschleppt und während wir so der Musik lauschten und Bilder von Skye über die Leinwand flimmerten, wussten wir: Egal was kommt, wir fahren nach Schottland!

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„By yon bonnie banks and by yon bonnie braes,
Where the sun shines bright on Loch Lomond.“

Da wir nur 10 Tage Zeit hatten, haben wir uns entschieden, einen Platz am Loch Lomond anzusteuern und von da aus die Gegend für einen ersten Eindruck zu erkunden. Der Platz stellte sich später auf Grund seiner Lage als Fehlentscheidung heraus. Hier haben wir das erste Mal in unserer Camping im Vereinigten Königreich Kariere Dauercamper und einen dadurch sehr seltsamen Platz erlebt. Dazu kam, das der Platz kurz vor dem Ende einer 10 km langen Stichstraße lag und wir diese für alles fahren mussten, selbst für das nächste Bier im Pub.

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Stirling Castle

Unser erster Ausflug führte uns in die alte Hauptstadt Stirling. Diese auch im Herbst gut besuchte Stadt zwischen Edinburgh und Glasgow hat ein wunderschönes Schloss. [4] Hier wurde Maria Stuart [5] zu Königin gekrönt. Wichtiger für Stirling und die Geschichte war allerdings Robert the Bruce [6].

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Ein unabhängiger Schotte.

Stirling war schon immer ein Zentrum des Widerstandes gegen London und die Engländer. William Wallace [8] hat hier die Engländer vernichtend geschlagen und wurde zum Nationalhelden. 

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Wallace Monument

Stirling hatte auch den Vorteil, das es dort alle großen Supermärkte gab und wir uns mit lokalen und regionalen Lebensmittel eindecken konnten. Das Produkt mit dem man Schottland verbindet ist Whisky, wir haben einige Destillen besucht, dazu aber mehr in einem eigenen Beitrag.

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Morgenstimmung

Der Weg zu unserem Campingplatz war lang und wir haben auf der Straße viel Zeit zugebracht. Ein Vorteil war, wir haben damit immer die Highland Boundary Fault [11], eine tektonische Verwerfung, die die Highlands von den Lowlands trennt, überquert. Eines Abends war das ganze dann nicht mehr so lustig, wir fuhren hinter einem anderen Fahrzeug her, dessen Fahrer im Verhältnis gesehen etwas langsam unterwegs war. Plötzlich passierte es, zwischen den beiden Autos sprang ein Reh auf die Straße, den Kontakt mit unserer Stoßstange hat es leider oder Gott sei dank nicht überlebt. Da standen wir nun auf einer einspurigen Straße mit einem toten Reh. Der Fahrer des anderen Wagens hat an der nächsten Möglichkeit kehrt gemacht um zu sehen ob uns etwas passiert ist, denn wer weiß wann der nächste vorbei kommt und bei Wildunfällen kann viel passieren. Im Gegensatz zu Deutschland interessieren Wildunfälle in Schottland keinen. Die Polizei kommt nur wenn es Personenschaden gegeben hat und ein vorbeikommender Unbeteiligter kann das Reh mitnehmen und verarbeiten.  

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„The wee birdies sing and the wild flowers spring,
And in sunshine the waters are sleeping;“

Einen Morgen sind wir besonders früh aufgestanden und nach Edinburgh gefahren um das Schloss und den Botanischen Garten zu besichtigen. Das Schloss [13] hat uns Nerven gekostet, unser Rucksack war 5 cm zu hoch und somit war am Tor Ende. Also sind wir in die Stadt haben einen kleinern Rucksack gekauft haben da Kamera und Objektiv rein getan und haben den anderen gefüllt mit einem paar dreckiger Socken in die Gepäckaufbewahrung im Bahnhof gebracht. Kostet ein Vermögen und hat was von Sicherheitskontrolle am Flughafen. 

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Edinburgh Castle

Wir waren dann nach 2 Stunden auch glücklich im Schloss und haben uns zusammen mit einer gefühlten Million anderer Touristen vornehmlich aus Asien und den USA durch die historischen Gemäuer geschoben. Irgend wie hat mir Stirling besser gefallen, aber das hat ja auch keinen Hafen mit Kreuzfahrtschiffen. Danach waren wir dann im Botanischen Garten [15] und der war toll. Leider habe ich dort nicht fotografiert, aber in der Reihe Magische Gärten [16] gibt es einen schönen Bericht.

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Denkmal für die Gefallenen am Fuße von Ben Lomond

Den letzten Tag haben wir dann nach den Kauf von zwei neuen Vorderreifen und einer Erkundung des Gebietes um den Ben Lomond [18] verbracht. Loch Lomond ist wunderschön und irgendwann werden wir auch Ben Lomond bezwingen. Wir werden wieder nach Schottland reisen, dort gibt es noch viel zu entdecken und zu probieren. Dann aber mit mehr Zeit und Ruhe. Ob es die Rundreise Arran, Campbeltown und Islay wird oder doch ein anderer Whisky, wir werden sehen.