Reisen mit Wohnwagen

Im Moment planen wir unseren Sommerurlaub, wie üblich wird er irgendwann im September/Oktober stattfinden. Meist fahren wir nach dem Late Summer Bank Holiday. Während dieser Ferien ist fast das ganze UK außer Schottland auf den Beinen und wir müsse da nicht auch noch Hochsaisonpreise zahlen. Dieses Jahr geht es in den Norden Großbritanniens, genauer gesagt nach Schottland. Im Moment suche ich einen Platz, der nicht an den Vorhof eines Caravan/Wohnmobilhändlers erinnert und außerdem noch schön gelegen ist. 

Ich habe das Gefühl, dass es im Moment eine neue Camper-Zielgruppe gibt, die irgendwie kein richtiges zu Hause hat. Mir fallen in den letzten Jahren immer mehr Blogs auf, auf denen die Schreiber vom Kauf eines alten Wohnwagens berichten und wie sie ihn hergerichtet und gepimpt haben. Hierbei ist es egal ob diese Wohnwagen zum Reisen oder für Dauercamping benutzt werden, gleich ist allen das sie mit viel Liebe ans Werk gehen. Glücksfederfrollein-nadine oder Lolo und Theo sind nur 3 Seiten auf denen wir schon Anregungen gefunden haben. Da Geschmäcker verschieden sind, wird es immer anders, aber es ist schön zu sehen, dass man nicht alleine so bekloppt ist sich einen 25 Jahre alten Wohnwagen zu kaufen und den dann auf den eigenen Bedarf anzupassen. Manchmal ist es einfach die zündende Idee, die einem fehlt.Damit meine ich nicht unbedingt nur, wie ich aus einer Schaumstoffmatratze ein Sitzpolster schneide – mit einem Brotmesser – oder wo bekomme ich einen Polsterstoff her. Ich schaue mir zum Beispiel gerne die Seite Caravanity an, auch wenn es mich oft bezüglich Transportsicherheit und Gewicht schüttelt, einige Ideen sind einfach gut und die Arbeit die in diese Wohnwagen gesteckt wird ist nicht zu verachten. 

Die meisten dieser Camper haben einen anderen Anspruch an Campingplätze als es viele andere Reisenden mit Wohnwagen zu haben scheinen. Diese Plätze zu finden ist das Problem. Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen erscheint mir oft einfacher. Hier ein paar Punkte die mir wichtig sind:

  • Abstand! Ich habe einfach kein Interesse meine Nachbarn besonders gut zu kennen, sprich ich hätte gerne etwas Abstand. Das das nicht immer geht, ist klar aber ein paar Hecken schaffen mehr Privatsphäre als sich mancher Betreiber denken kann.
  • Größe, ich bevorzuge die kleinen Campingplätze. Es müssen nicht unbedingt die britischen oder niederländischen Standards für Minicampingplätze gelten (nicht mehr als 15 Stellplätze plus 5-10 Plätze nur für Zelte).
  • Eine abwechslungsreiche Umgebung erhöht den Wert eines Platzes. Lasst die Bäume stehen oder pflanzt welche, der Platz wird kühler bzw. der Wind wird durch Bäume und Hecken gebrochen, ein paar Blumenbeete schaden übrigen auch nicht. Das Ganze sieht dann nicht mehr so aus, als würde man auf dem Hinterhof des größten Wohnwagen- und Wohnmobilhändlers der Region stehen.
  • Lasst den Leuten ihre Individualität. Nicht jeder hat Lust darauf, am Morgen nach dem Regen seinen Wohnwagen mit dem Abzieher zu trocknen und dann mit dem Ledertuch nachpolieren oder mit der Deichsel in Reih und Glied zu stehen.
  • Ruhe ist vielen Menschen wichtig. 24 Stunden am Stück Party sind nicht unbedingt das was Reisende wünschen. Damit sind nicht unbedingt nur die Wochendsauftouristen gemeint sondern auch die allgegenwärtige Animation mit Disco und viel Krach, dabei kann doch kein Mensch in Ruhe lesen.
  • Eine ÖPNV Anbindung, ich muss nicht überall mit dem Auto hin, gerade bei Stadtcampings finde ich das wichtig.
  • Saubere Toiletten und Waschräume, wir mit unseren fast schon historischen Wohnwagen können einfach nicht völlig autark stehen, auch wenn wir uns das manchmal wünschen. Nein, die Sanitärräume müssen dabei nicht den allerneusten Standard habe, sie sollen einfach nur in einem einwandfreien technischen Zustand sowie sauber und gepflegt sein.

Unser Wohnwagen

Die Suche nach solchen Plätzen ist, egal wo man hin will, mühselig. In den Niederlanden schaut man sich die Plätze der Forstverwaltung an oder man sucht nach Camping beim Bauern bzw. Minicampings da sind viele schöne Plätze bei.  In Großbritannien suche ich nach den Certified Sites (members only) des Camping and Caravannig Clubs. Da gibt es nur einen Punkt auf den man sein Augenmerk richten muss, Sanitäranlagen und Strom, es ist wesentlich eher üblich dort Plätze zu finden auf denen es exakt 3 Dinge gibt: Einen Wasserhahn, eine Entsorgungsmöglichkeit für das Chemieklo und einen Müllcontainer. Moderne britische Wohnwagen sind sehr komfortabel ausgestattet und das schon seit Jahren. In allen anderen Gegenden muss man suchen. Vor einigen Jahren war Cool Camping noch eine große Hilfe, aber dort hat sich leider der Fokus von attraktive Plätze für alle auf Zelte, Busse und Glamping verschoben – schade! Die deutsche Version nennt sich mittlerweile Campingglück. Witzig finde ich das gerade der Eriba Troll ein Kultobjekt geworden ist und oft in der Werbung benutzt wird, dumm nur das man dann mit dem Teil auf den gleichen Platz muss wie der neue Luxus Wohnwagen, den man kaum bewegen kann. Auch die Blogs anderer Reisender können Hinweise auf schöne Plätze liefern.

Um auf Schottland zurück zu kommen, dort gibt es nach unserer Recherche eher wenig Plätze und die wenigen die Wohnwagen zulassen, sind nicht immer die schönsten. Viele Schottlandtouristen reisen mit dem Wohnmobil oder dem Bus, damit darf man in vielen Regionen noch frei stehen, aber auch das wird wohl in den nächsten Jahren vorbei sein, da sich einige Reisende nicht an die Spielregeln halten – kurze Version davon: Lasse nichts außer deinen Schatten zurück und nimm nichts mit außer Erinnerungen. Vielleicht kommen dann schönere Plätze, damit wir alle was davon haben.

Noch für alle Menschen da draußen zum Mitmeißeln um ein paar Vorurteile abzubauen:

  • Wohnwagenreisen bedeutet nicht unbedingt Spießertum.
  • Wohnwagenreisende sind nicht automatisch kleine Schweine die ihren Müll in die Gegend schmeißen.
  • Wohnwagenreisende müssen nicht heute hier morgen dort sein (wir haben Urlaub und sind nicht auf der Flucht), gilt auch für viele andere Reisende.
  • Wohnwagenreisende möchten auch gerne Städtetouren machen und in Stadt nähe sowas wie Stellplätze oder Citycampings (Brügge oder Deventer sind sehr pos. Beispiele!) haben.
  • Wohnwagenreisende sind nicht unbedingt Mitglieder einer ethnischen Minderheit, die klauend durch die Lande ziehen – auch wenn dieses Vorurteil noch in vielen Köpfen sitzt.
  • Wohnwagenreisende lassen übrigens auch Geld in der Region – und da die Unterkunft preiswerter ist, können sie dafür einen höheren Betrag aufwenden.
  • Wohnwagenreisende lassen sich äußerst ungerne mit Dauercampern mit Gartenzwerg in einen Schublade stecken.

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