Die Seele Schottlands

Die Seele Schottlands, so sagt man liege im Whisky, besonders im Single Malt. Wir waren nun schon mal im Süden Schottlands allerdings in einer Gegend, die doch eher arm an bekannten Destillen ist. Wenn man Destillen besuchen will oder an die Quelle des Lebenswassers reisen möchte, so sagt man hier, dann muss man nach Islay, in die nördlichen Highlands oder in das Tal des Flüsschens Spey. Da wir da aber dieses Jahr nicht hinwollten mussten wir uns was anderes überlegen. Hilfe gab es ausgerechnet von Visit Scotland dem Fremdenverkehrsbüro und ihrem Verzeichnis von Destillen, die für Besucher geöffnet sind. Von unserem Campingplatz waren einige in gut erreichbarer Nähe und einige die einen etwas höheren logistischen Aufwand erfordert hätten. 

Wir haben dann mit Deanston, einer eher jungen Destillerie angefangen. Whisks dieser Destillerie haben wir bis dahin noch nicht probiert, in Deutschland ist im stationären Handel am ehesten noch der Deanston 12 Jahre oder einer der Bio Whiskys zu bekommen. Der Destille sieht man ihre Vergangenheit als Baumswollspinnerei durch aus an.  

Deanston Highland Malt

Deanston Highland Malt

Die Destille war die Folgenutzung der Spinnereigebäude nachdem die Textilindustrie in Großbritannien immer weiter zurück ging. Dabei ging es auch darum wenigstens einige Arbeitsplätze zu erhalten und eine weitere Abwanderung der Landbevölkerung zu verhindern. 

Hier stand einst das größte Wasserrad Europas

Die Spinnerei war dank Wasserkraft vom Energienetz unabhängig, die Destille hat die Einrichtungen modernisiert und speist ihren überschüssigen Strom ins Netz ein.

Bourbonfässer

Im Innenhof lagern heute die noch nicht befüllten Bourbonfässer bevor sie aufgearbeitet und befüllt werden, das schottische Klima bietet diese Art der Lagerung an. Doch in diesem auch in Schottland sehr heißem und trockenem Sommer mussten Rasensprenger aufgestellt werden um das Holz feucht genug zu halten.

Malzmühle

Nach dem Mälzen des Getreides wird das Malz genau wie beim Bier brauen auch erstmal gemahlen bzw geschrotet.

Maischebottich

Danach folgt das Maischen; In dieser Destille, wird offen gemaischt und es gibt ein Rührwerk, wer schon einmal eine Maische per Hand gerührt hat freut sich darüber. Achtung, der Topf und der Brei sind vor allem eines: Heiß.

Gärbottich

Die Maische wird vergoren und es entsteht ein bierähnliches Getränk. Aber an dieser Stelle trennen sich dann aber auch die Wege von Bier und Whisky.

Brennblasen, das Herz der Whisky Produktion.

Der Wash wie sich die Flüssigkeit jetzt nennt wird hier bei Deanston zweimal destiliert und ist das Bereit für die Fassreifung, das bedeutet mindestens 3 Jahre und einen Tag warten bis  man es Whisky nennen darf und trinken kann.

Whisky and Chocolate

Wir hatten die Whisky an Chocolate 4 Fach Tour gebucht, da wir die einzigen Teilnehmer waren bekamen wir ein exclusive Führung und ein sehr leckeres Tasting mit Schokoladen vom Highland Chocolatier, Iain Burnett. Kann ich nur empfehlen. Es waren dabei, der Deanston 12 Jahre, der 15 Jahre Organic und der 18 Jährige. Der vierte müsste die „Virgin Oak“ gewesen sein, aber mangels Aufzeichnungen von der Verkostung kann die Erinnerung auch trügen.

Weitere Destillen in der Nähe waren Loch Lomond, ein großer moderner Industriekomplex in Alexandria. Dort werden keine Führungen angeboten. Bei Strathclyde, produziert für Chivas Regal, sind auch keine Besichtigungen möglich. The Glasgow Distillery und The Clydeside Distillery sind sehr neue Destillen, die gerade erst angefangen haben und noch keine eigenen Produkte am Markt haben. Bei Gründung 2014 (Glasgow) und 2017 (Clydeside) wird das auch noch etwas dauern. Dann ist da aber auch noch Auchentoshan, hatte ich jetzt eher so als günstigen Whisky aus dem Supermarkt auf dem Schirm, aber ich sollte eines besseren belehrt werden. 

Auchentoshan, Glasgow

Die Tour war sehr gut organisiert, wie wir später erfahren haben arbeiten als Guides hauptsächlich pensionierte Polizisten aus dem Großraum Glasgow.  

Kochtopf 😉

Hier wird die Maische in einem geschlossenen „Topf“ erwärmt, der ist aber immer noch heiß und sollte nicht betatscht werden. 

Erste Hilfe

Sicherheit wird hier groß geschrieben, es wurde am Werkstor damit geworben, das es seit über 2 Jahren keinen Unfall mehr gegeben hat.

Destillen

Auchentoshan ist die einzige Destille in den Lowlands, die noch auf klassische Lowlandweise destilliert, nämlich 3 Mal. Jeder Whisky läuft also durch jede der 3 Brennblasen. 

Die guten ins Fass, die schlechten verwerfen.

Gebraucht wird am Ende nur ein Teil des Destillats, das sich in Head, Body und Tail aufteilt (Kopf, Körper und Schwanz), der Rest wird verworfen. Der Körper wird mengenmäßig erfasst und dient der Berechnung der Branntweinsteuer. 

Duty free Warehouse

Wir waren auch in einem der Lagerhäuser und ich bin beeindruckt von den Werten, die hier für viele viele Jahre verschwinden und zollfrei lagern. Hier haben wir folgende Whisky probiert, den Bartenders Malt, der uns überhaupt nicht geschmeckt hat, der Three Woods, der OK war, und der Blood Oak, ein sehr schöne Whisky. Auf Nachfrage das Highlight zum Schluss: „Destillers Cask“ auch sehr lecker und nur hier zu bekommen. 

Auchentoshan Distillery Cask, Handabfüllung

Wir hatten dann noch Zeit für eine weitere möglichst nahe gelegene Destille. Aberfeldy war uns zu weit weg, gleiches gilt für GlenkinchieTullibardine, Strathearn und auch Glenturret ist einfach nur weit weg und zudem als Famous Grouse Experience auch nicht mein Geschmack. Nicht falsch verstehen, wir mögen Auerhühner, aber dieser Whisky? Dann waren da noch zwei weitere: Arran, hier wären wir wirklich gerne hingefahren aber als Tagesausflug war das nicht zu machen da Caledonian MacBrayne eine defekte Fähre meldetet und damit den Fahrplan weiter ausdünnte. Also blieb Glengoyne.

Glengoyne

Glengoyne weiß sich zu vermarkten. Hier trafen wir das erste Mal auf unserer Reise deutsche Whiskytrinker. Die Destille ist nett gelegen, die im Vordergrund gelegene Straße ist nicht nur eine einfache Hautverkehrstraße, nein sie ist auch die Highland Boundary Fault und trennt die Highlands mit den Brennblasen von den Lowlands mit den Lagern von einander. Damit gilt ein Whisky von Glengoyne als Highland Whisky, auch wenn dieser die meiste Zeit, bis er sich Whisky nennen darf  in den Lowlands verbringt.

Die Brennblasen von Glengoyne in den Highlands

Diese Tour war die am besten besuchte Tour aber auch die inhaltlich schwächste. Zu Beginn gab es einen Film über die Geschichte der Destille und den Hinweis, dass wir in den Highlands sind (das sollte mittlerweile echt jeder verstanden haben) und einen 12-jährigen Glengonye. Danach kam der Rundgang durch die heiligen Hallen und dann der Besuch des Warehouses no. 1, bei dem der Eindruck entstehen kann, es bestünde aus Schaufässern für die Touristen. Dabei sollen hier auch die ältesten Fässer lagern.

Touri Warehouse

Nach dem Ende der Tour konnten wir noch den 18 Jährigen Glengonye probieren der deutlich besser war als der 12-jährige. Während wir diesen noch genossen kam ein Mitarbeiter vorbei und meinte wir müssten auch noch den 21-jährigen probieren und bekamen direkt ein winzige Probe. Wo ist mein persönliches Fass mit dem 21-jährigen? Mein Fazit zu Glengoyne: Wirklich gute Whiskys aber die schwächste der Touren, ich war froh, das ich schon woanders war. 

Und nun, uns wurde an so mancher Stelle auch während der Führungen gesagt, dass wir jeden Whisky probieren sollten aber auf Grund der hohen britischen Branntweinsteuer doch alles außer den Exklusiven besser zuhause kaufen sollten, für uns wäre es günstiger und sie würden letztlich das Gleiche verdienen. Wir haben jetzt eine Wunschliste…. Wir werden wieder kommen und Destillen besuchen und Whisky probieren. Wann und wohin es geht ist allerdings noch nicht klar.

Slàinte mhath!

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