Kartoffelernte 2010

Das perfekte Kartoffelwetter hatten wir nun leider die letzten Monate nicht. Es fing bereits mit dem Legen der Saatkartoffeln an – es war viel zu lange viel zu kalt. Dann wurde es relativ zügig warm – und trocken – viel zu trocken. Aber damit Kartoffeln anständige Knollen ausbilden brauchen sie eine gleichmäßige Wasserversorgung – insbesondere während der Blüte. Gab’s dieses Jahr aber nicht. Da wir aber weder fließend Wasser noch eine Pumpe im Garten haben, hätte ich das Wasser auch noch für die Kartoffeln komplett per Hand aus der Rur heran schleppen müssen. Also mussten die Kartoffeln dieses Jahr sehen wie sie zurecht kommen – und das sind sie überraschend gut. Als ganz gute Ernte gilt je nach Sorte etwa das acht- bis zwölf fache dessen was man Saatkartoffeln gelegt hat.

Vier Sorten hatten wir dieses Jahr angepflanzt:

Adretta, eine in den 70er Jahren noch in der DDR gezüchtete, mittelfrühe mehlig kochende Sorte. Adretta gilt als ein Meisterwerk der Kartoffelzüchtung. Aber mehr zur Geschichte kann der interessierte Leser auf der Homepage zur Kartoffel nachlesen. 2009 war sie Kartoffel des Jahres. Adretta gilt als sehr ertragreich.  Wir hatten mit unter 20 kg einen Ertrag der etwa das Sechs- bis Achtfache der Aussaat betrug also – eher mäßig. Aber qualitativ gibt es nichts zu meckern. Nachteil der Sorte: Sie ist seeeehr mehlig und zerfällt bereits nach 15 Minuten Kochzeit. Aber das ist gleichzeitig auch ihr Vorteil: Eine perfekte Sorte für Eintöpfe, Klöße und Gnocchi! Sie hat gute Chancen nächstes Jahr wieder dabei zu sein. Je kg Saatkartoffeln bezahlten wir ca. 3 €, Bioanbau.

Adretta

Adretta

Bamberger Hörnchen, ein späte fest kochende Sorte. Zugelassen wurde sie bereits um 1870 und  2008 zur Kartoffel des Jahres gewählt. Heimisch ist sie eigentlich um die Region um Bamberg, dort aus bekannt als „Bamberger Hörnla“. Kommentar unseres Biobauern des größten Vertrauens zu Bamberger Hörnchen: „Wenn ich beider Ernte mit dem Roder über’s Feld fahre muss ich keinen Hänger mitnehmen – und wenn ich Glück habe ist der Bunker vom Roder am Ende voll.“ Bamberger Hörnchen sind eher kleine hörnchenförmige Kartoffeln. 1 kg Saatkartoffeln davon brauchte genauso viel Platz wie 2,5 kg Saatkartoffeln Adretta, aber die relative Ausbeute war wesentlich besser: Ich habe 15 kg Bamberger Hörnchen gerodet. Nachteile sind hier nur der hohe Platzbedarf und die nicht ganz so gute Lagerfähigkeit. Die Kartoffeln bilden nur eine sehr dünne Schale aus, dafür kann man sich aber das Schälen sparen. Die perfekte Salatkartoffel oder auch gut mit Leinöl und Kräuterquark. Bamberger Hörnchen sind auch sicher nächstes Jahr wieder mit dabei!

Bamberger Hörnchen

Bamberger Hörnchen

Sarpo Mira, hier lachte uns die rötliche Schale und als besondere Eigenschaft eine sehr hohe Resistenz gegen Kraut- und Braunfäule an. Sarpo Mira stammt aus Ungarn und ist eine sehr junge Sorte, die erst 2002 ihre Zulassung erhielt. Die Saatkartoffeln sind relativ teuer (1 kg ca. 7 €, Bio). Aber Vorteile kann ich keine erkennen. Ja klar, das Kraut war bis zum Roden noch komplett grün und strotzte nur so vor Gesundheit. Die Knollen waren mit Abstand das Größte was wir aus der Erde heraus geholt haben. Aber die Knollen waren stark von Schorf befallen, sie schmeckten nach nichts – wie verkochte Kantinenkartoffeln/billige Industriekartoffeln. Der Rest der Ernte wird sicher nicht eingelagert und selbst verschenke kann ich ihn nicht – die Braune Tonne freut sich. Die Menge kenne ich gar nicht, viel länger als für das Foto haben sie nicht existiert. Nein Danke, Sarpo Mira gibt es kein zweites Mal!

Sarpo Mira

Sarpo Mira

Vitelotte, auch „Französische Trüffelkartoffel“ genannt. Die einzige, die noch nicht gerodet ist. Heute haben wir das welke Kraut abgeschnitten, damit die Knollen noch eine festere Schale ausbilden können. Bis vergangenen Woche  hat Vitelotte noch geblüht. Von vornherein ein „Versuchsanbau“, denn die Saatkartoffeln sind mit fast 10 €/kg (konventionell) doch sehr teuer. Vitelotte hat sehr tief liegende Augen, was die Verarbeitung sehr aufwendig macht. Reiz voll ist, daß sie komplett violett durch gefärbt ist und in Feinschmeckerkreisen aufgrund ihres besonders kräftigen kastanienartigen-erdigen  Geschmacks sehr geschätzt wird. Wir lassen uns überraschen und werden dann auch über Vitelotte berichten. Der Ertrag der Vitelotte soll sehr mäßig sein. Wir lassen uns überraschen.

Bis auf Vitelotte haben unsere Kartoffeln nun das Feld geräumt und haben Platz gemacht für Porree, Koriander, eine zweite Aussaat Möhren und Frühlingszwiebeln.

7 comments to Kartoffelernte 2010

    • Franz

      hallo,
      auch ich habe wegen der Krautfäule die Sarpo Mira gepflanzt und war ziemlich entsetzt über einige Kommentare im Netz, den Geschmack betreffend. Heute am 24. September habe die anderen Sorten geernet, die Sarpo aber bleibt ihre 170 Tage im Boden, also bis letzte Oktoberwoche. Danach werde ich sehen, ob sie auf den Teller oder zu meinen Tieren wandert.

  • […] mira forum – Was soll dort diskutiert werden? – Der schlechte Geschmack??? […]

  • Sisah

    Über deinen witzigen Kommentar in perfektem Kanakisch in meinem Blog habe ich hierher gefunden und irre noch etwas verwirrt herum. Wer gärtnert hier und wo, kann man das irgendwo nachlesen auf deiner Seite?
    Das muss ja schon eine riesige Fläche sein bei dieser üppigen Kartoffelernte. Gratulation!
    Ich bin auch ein Kartoffelfan, aber in der mikroskopisch kleinen Dimension, vielleicht hast du das ja in meinem Blog nachgelesen…Ich bin gespannt, was Vitelotte bei euch bringt, die hatte ich auch schon mal in meiner ‚Tonne‘.
    LG
    Sisah

    • jmsanta

      Hallo Sisah,
      ich bin als (Nord-)Berliner aus beruflichen Gründen nach meinem Studium als Ingenieur im „Exil“ im Rheinland gelandet, und die Liebe hält hält mich jetzt hier. Aufgewachsen bin ich in Frohnau, daher noch meine Affinität zu dieser Region. Kanakisch habe ich selber zu genüge in meiner Berliner Schulzeit (ab Sek. II) gehört. Der Garten befindet sich in dieser Kleingarten-Kolonie , umfasst ca. 180 m², fließend Wasser gibt’s da nur hinter dem Grundstück in Form der Rur (wirklich ohne „h“) oder wenn ich Glück habe aus der Regentonne neben der Hütte.

      Hm, dein Kommentar ist eine sehr nette Erinnerung demnächst mal einen Blogeintrag/eine Seite über mich/uns/den Garten zu verfassen…

      LG, Jan

  • Da stimme ich zu Adretta macht sich sehr gut in Suppen und Kartoffelpürree 🙂

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