Das richtige Düngen im Gemüsegarten

Das richtige Düngen im Gemüsegarten

Verantwortungsvolle Landwirte messen der richtigen Düngung ihrer Felder eine hohe Bedeutung bei – und sind dazu im Übrigen auch rechtlich verpflichtet. Aber in Kleingärten sieht das ganz anders aus, es muss der Eindruck entstehen, daß hier die Devise: „Viel hilft viel“ gilt. Aber das Gegenteil ist der Fall. Und das Gegenteil ist nicht „Wenig schadet viel“ sondern: „(Zu) viel schadet viel.“

Die richtige Düngung im Garten ist eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe.

aus dem Vorwort des „Leitfaden für die Düngung im Garten“

Hier zeige ich am Beispiel von Kartoffeln die erforderlichen Nähstoffe und den Bedarf der Pflanzen in einer Anbauperiode. Kartoffeln sind Starkzehrer und brauchen während ihrer Wachstumszeit viele Nährstoffe. Ein gut vorbereitetes Beet und eine eigene Kompostwirtschaft sind da bereits die halbe Miete. Und schon hier gibt es das erste Aber: Soll Kompost regelmäßig ausgebracht werden, reichen ca. 3 Liter/m², es droht sonst eine Überversorgung mit Kohlenstoff im Boden.

Kaliumdüngung (K) ist für gesunde und gut lagerfähige Kartoffeln der wichtigste Nährstoff. Viele (Bio-)Gemüsedünger enthalten einen viel zu geringen Anteil Kalium.  Es sollten keine KCl-haltigen (Kaliumchlorid) Dünger verwendet werden, da Kartoffeln chloridempfindlich sind. Der Bedarf von Kartoffeln liegt bei ca. 38 g(K2O)/m²

Stickstoffdüngung (N) ist ein zweischneidiges Schwert. Kartoffeln brauchen zum Start relativ viel Stickstoff, aber der Bedarf sinkt zügig lange bevor die Knollen geerntet werden können. Eine Abschätzung mittels des Internetportals Nmin -NRW ergibt für unsere Region beispielsweise gerade einmal ca. 10 g(N)/m², die nachgedüngt werden müssten. Ca. 80 % davon werden bis zur Blüte benötigt.  Viel Stickstoffdüngung hilft nicht viel, sondern schadet viel! Zu viel Stickstoffdünger macht die Kartoffel krankheitsanfällig und reduziert die Lagerfähigkeit der Kartoffeln massiv. Eine langsame und gleichmäßige Abgabe erreicht man beispielsweise durch Hornspäne (N ca. 12 – 14 %, in diesem Beispiel also ca. 60 – 80 g/m² Hornspäne), die man mit der Pflanzung zugibt . Der Gesamt-Stickstoffbedarf von Kartoffeln liegt bei ca. 23 g(N)/m²

Phosphordüngung (P) die meisten Böden sind gut mit Phosphor versorgt, Kleingärten gelten meist als überversorgt. Eine Beurteilung für evt. Nachdüngung wäre allenfalls mit einer Bodenanalyse möglich. Der Gesamt-Phosphorbedarf von Kartoffeln liegt bei ca. 9 g(P2O5)/m²

Fertige Dünger für Kartoffeln habe ein Verhältnis von N:P:K von etwa 1 : 0,8 : 3, auch dabei ist die große Bedeutung des Kalium für die Kartoffel zu sehen. – Dies würde aber letztlich zu einer Anreicherung von Phosphor im Boden führen, da mehr zugeführt werden würde, als benötigt.

Magnesium (Mg) ist für Kartoffeln ein wichtiges Spurenelement. Im Biogarten lässt sich die Versorgung beispielsweise mit Urgesteinsmehl sicherstellen – oder das Magnesium ist bereits als Spurenelement in einem anderen Dünger enthalten – der Dünger muss entsprechend deklariert werden. Darüber hinaus sollte das Verhältnis K:Mg im Boden kleiner als als 3:1 betragen und ggf. Mg ergänzt werden. Der Gesamt-Magnesiumbedarf von Kartoffeln beträgt ca. 6 g(MgO)/m².

Für eine dem Bedarf der Pflanzen angepasste Düngung ist es unerlässlich, den Nährstoffvorrat und andere wichtige Eigenschaften des Bodens zu kennen.

aus dem „Leitfaden für die Düngung im Garten“

Eine Abschätzung der erforderlichen Nährstoff-Mengen ist letztlich nur mittels einer Bodenanalyse möglich, in der die enthaltenen Nährstoffe des Bodens bestimmt werden und Mischdünger sicher in den seltensten Fällen geeignet um dem Boden die optimale Menge an Nähstoffen zuzuführen. Über eine gewisse Zeit lässt sich dann in Abhängigkeit von der angebauten Kultur die Nährstoffgehalte fortschreiben bevor nach vier bis fünf Jahren wieder eine neue Bodenanalyse vorgenommen werden sollte. Es finden sich hierzu eine Vielzahl Anbieter. Eine Empfehlung kann ich zu keinem aussprechen, da ich mich selber wider besseren Wissens noch nicht zu einer Bodenprobe durchringen konnte, da wir diesen Garten kaum länger als diese Saison noch haben werden. Aber im neuen Garten werde ich dann regelmäßig Bodenproben nehmen und sie zur Analyse an die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen schicken. Versprochen, denn ich habe keine Lust mehr auf heiteres Nährstoffraten im Garten, das verlangt geradezu schon allein schon der Respekt vor der Natur!

Zusammengefasst geht es darum, die Nährstoffversorgung der Pflanzen zu gewährleisten und die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten – ohne nachteilige Auswirkungen auf die Umwelt.

aus der Einführung des „Leitfaden für die Düngung im Garten“

Software

Das Highlight meiner Recherchen gibt es von staatlichen Forschungsanstalt für Gartenbau Weihenstephan. Diese bietet für den technikaffinen Kleingärtner die kostenlose Software „DiG – Düngung im Garten“ an, die mit den Ergebnissen einer Bodenuntersuchung gefüttert wird und dann abhängig von der angebauten Kultur Düngeempfehlungen gibt. Sogar die Aufwandmenge für den konkreten Dünger wird angegeben. Einige Dünger sind bereits in der Datenbank hinterlegt, aber anstatt einen hinterlegten Dünger auszuwählen, kann man auch die Zusammensetzung des eigenen Düngers angeben. Eine Gründüngung und Kompostgaben können auch berücksichtigt werden. Zu jedem Punkt gibt es eine umfangreiche Hilfefunktion und Erklärungen. Ich empfinde die Software „DiG – Düngung im Garten“ als sehr übersichtlich gestaltet und intuitiv zu bedienen. Und hier bekommt sie: DiG – Düngung im Garten

Quellen und zum Weiterlesen

  1. Leitfaden für die Düngung im GartenServiceplattform Freizeitgartenbau der staatlichen Forschungsanstalt für Gartenbau Weihenstephan
  2. Düngung von Kartoffeln – ein Ratgeber der Landwirtschaftskammer Nordrheinwestfalen,
  3. „Kartoffeln gezielt düngen“ – Initiative effiziente Stickstoffdüngung, Newsletter 36
  4. Bodenschutz und Fruchtfolge – Forschungsinstitut für biologischen Landbau
  5. Bodenuntersuchung – Mein schöner Garten
  6. Bodenuntersuchung – Kraut und Rüben

4 Gedanken zu „Das richtige Düngen im Gemüsegarten

  1. Hi, ich lebe seit kurzem in einer Großstadt und hab keinen Garten mehr, weswegen ich sowas in Anspruch nehmen will, da ich nicht auf Gärtnern verzichten mag 🙂 Soll ich da dann auch eine Bodenanalyse vornehmen lassen? Ich bin jetzt schon ein wenig verunsichert.

    1. Das halte ich für sehr unwahrscheinlich. Das Land bei der Gemüseselbsternte (GSE) wird – so wie ich das System vor einigen Jahren kennen gelernt habe – durch einen (Bio)Landwirt zur Verfügung gestellt. Als Landwirt ist dieser so oder so verpflichtet den Düngezustand seine Bodens zu kennen – und kann ihn die sicher auf Nachfrage auch mitteilen. Eine Düngung durch den Pächter bei der GSE ist daher eher kritisch zu sehen und gerade Biolandwirten droht bei Verwendung eines unzulässigen Düngers der Verlust der Zertifizierung! Daher kann ich dir in diesem speziellen Fall nur dazu raten mit dem Verpächter deiner Parzelle zu reden.
      Unser Garten ist übrigens ein Schrebergarten, den wir uns nach zwei Jahren Gemüseselbsternte zugelegt haben – siehe auch „Über uns„.

  2. Meine letzte Bodenanalyse ( die einzige) liegt fast zwanzig Jahre zurück. Da gab es übrigens auch noch direkt die passenden Düngeempfehlungen gleich mit dazu. Ihr erinnert mich daran, dass ich mal wieder eine machen müsste. Die von damals fand ich nämlich sehr hilfreich, deckte sie doch auf, dass es in meinem Garten an Kalium mangelt und es ein Zuviel ein Phosphor und Kalk gab. Ich baue zwar eher weniger Gemüse an, aber auch für den Staudengärtner ist es wichtig zu wissen, was dem Boden fehlt. Bei mir war es neben eindeutig Humus, den ich nun seit Jahren versuche mit Kompost einzubringen. Gleichzeitig wähle ich meine Stauden bodengemäß aus, d.h. zum Beispiel, hier gibt es keine Prachtstauden wie z. B. Rittersporn.
    Was habt ihr also konkret vor als technikaffine und verantwortungsbewusste Kleingärtner?
    LG
    Sisah

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