Neue Bomben braucht das Land

Josie Jeffery: Mit Samenbomben die Welt verändern; € 14,90

„Neue Bomben braucht das Land“ ist zugegebenermaßen ein sehr martialischer Titel für ein Gartenblog, dabei geht es doch nur um ein Buch, das ganz anders als Bomben im militärischen Sinne dazu beitragen will die Welt ein bisschen freundlicher zu gestalten. In dem Buch „Mit Samenbomben die Welt verändern“ wird ein Aspekt des Guerilla-Gärtnerns vorgestellt. Schon wieder  so ein martialischer Begriff…

Aber schon das nebenstehende Frontcover macht dann doch deutlich, daß es eine Antwortmöglichkeit liefern könnte zu der Frage von Peter Seeger: „Where have all the flowers gone?“ Aber lege ich hier nicht die Messlatte an der falschen Stelle an? Geht es wirklich um eine politische Äußerung, oder doch einfach nur ganz simpel um Bienchen und Blümchen?

 

 

Das Wort Guerilla wurde Anfang des 19. Jahrhunderts über das französische guérilla aus dem spanischen guerrilla, einem Diminutivum (Verkleinerungsform) des spanischen guerra („Krieg“) entlehnt. Das spanische guerra geht, wie das französische guerre, auf das germanische *werra („Streit“) zurück, mit dem auch das althochdeutsche wërra („Verwirrung“, „Streit“), das mittelniederländische warre und das neuenglische war verwandt sind.

 

Die ganze Aufmachung des Buches ist allerdings durchaus ungewöhnlich und bewegt sich irgendwo zwischen Flugblatt und Zeitschrift. Aber martialisch außer einigen feststehenden Begrifflichkeiten ist an dem Buch nichts. Die Autorin führt sehr kurzweilig durch die Thematik. Wie in einer Zeitschrift auch kann man gut „blättern“ und hier und da quer lesen ohne das man das vorgehende Kapitel/Artikel kennen muss. Aber irgendwie verpasst man doch so einiges, wenn man zu viel nur quer liest.

Nun, es geht tatsächlich letztlich nur um „Bienchen und Blümchen“ die mit ihrer Schönheit die Welt ein bisschen farbiger, schöner und friedvoller machen sollen. Damit das auch tatsächlich so bleibt und man durch eine gut gemeinte Verschönerung letztlich nicht die Grenze zur Illegalität überschreitet wird diese nicht immer ganz leicht zu ziehende Grenze beschrieben. Eine Grenze, die der samembomenwerfende Guerillero mit Augenmaß und verantwortungsvoll vor Ort selber ziehen muss. Manchmal sind die Hinweise vielleicht ein klein wenig zu sehr mit der moralischen Keule dargestellt. So sind Schutzgebiete jeglicher Art ein unbedingtes Tabu – aber eben auch der „asoziale Garten“ in dem kein Kraut zur Blüte kommen darf und nichts außer Kirschlorbeer und englischer Rasen zu finden ist. Allerdings werden die einfachen und gut nachvollziehbaren Regeln in Form einer Checkliste übersichtlich zusammengefasst, die sich leicht verinnerlichen lässt.

Etwa die Hälfte des Buches nehmen die Beschreibungen von Pflanzen ein, die sich beispielsweise für Samenbomben eignen. Jede Pflanze wir mit Bild, einem Steckbrief  und einer Beschreibung, auch ihrer Verwendungsmöglichkeit, dargestellt.  Darunter finden sich dann auch ein paar Überraschungen. Auf Blumen wie Fingerhut, Mohn, Kornblume und Borretsch bin ich ja noch von alleine gekommen. Aber Zucchini wären mir im Zusammenhang mit Samenbomben im Leben nicht eingefallen – ja aber warum eigentlich nicht – wenn es der Zielort hergibt, es sich nicht um eine Hundep***ecke handelt kann man hier doch tatsächlich die Früchte seiner Aktivitäten im Wortsinne ernten. Klasse, der Gedanke gefällt mir richtig gut. Die Zucchiniblüten selbst sind übrigens nicht nur ein Augen- sondern auch ein Gaumenschmaus!

Damit das Ganze dann auch schön preiswert bleibt kann das Saatgut auch in der freien Natur gesammelt werden, solange es sich nicht um eine geschützte Art handelt – aber auch das ist in den Steckbriefen zu den beschrieben Pflanzen dargestellt

Mir hat die Lektüre sehr viel Spaß gemacht. Schön wäre es gewesen, wenn dem Buch eine Samenbombe als Anschauungsmaterial beigelegen hätte – war so mein Gedanke – und dann las ich kürzlich, daß dies eigentlich auch der Fall ist, aber bei meinem Exemplar einfach fehlte. Ich freue mich schon darauf, sobald das dieses Jahr eher kalte Frühlingswetter sich freundlicher gestaltet, die große Vielfalt der vorgestellten Rezepte/Herstellungsbeschreibungen auszuprobieren und auch außerhalb unseres kleinen Gartens ein wenig dazu beizutragen unsere Welt schöner und friedvoller zu gestalten.

Ich kann dieses Buch jedem Leser unbedingt empfehlen, der ein paar Ideen sucht, um seine Aktivitäten auch in einem anderen Umfeld als dem eigenen Garten auszuleben oder vielleicht sogar erste Gärtneraktivitäten zu entwickeln.

Ein ganz herzliches Dankeschön gilt dem Ulmer-Verlag für das Rezensionsexemplar und dem Portal Blogg dein Buch für die Vermittlung des selben.

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