Woher kommt mein Saatgut? – Update 22.1.2015

Update 22.1.2015, nun ist dieser Artikel fast drei Jahre online (seit dem 1.3.2012) und wird immer noch regelmäßig gelesen. Einige der aufgeführten Links funktionieren so nicht  mehr. Ich habe daher den Artikel überarbeitet ohne die Grundaussage zu ändern. So wurde u.a. der Absatz über de Ruiter Seeds klarer formuliert, da es hierbei in der Vergangenheit zu Missverständnissen kam. Ein Fazit wurde ergänzt.

Heiner hat mit seinem Artikel Samen von Monsanto bei mir die Neugier geweckt nach der Antwort auf die Frage woher eigentlich unser Saatgut kommt? – Nein, ich meine da jetzt nicht die alten Sorten. Bei denen stört es mich nicht unbedingt soooo sehr, wenn sie von einem der Global Player kommt. Interessanter sind da schon die vielen „neuen“ Sorten, oft nicht samenfeste Hybride.

Aus unserer Saatgutkiste wanderten so eben in den Müll:

  • Chili Fireflame F1 (C. Anuum) –> De Ruiter Seeds BV
  • Paprika Bontempi F1 (C. Anuum) –> De Ruiter Seeds BV
  • Zucchini Goldrush F1 –> De Ruiter Seeds BV
  • Zuckermais Tasty Sweet Gold Corn –> IFS Inc. in Illinois USA
  • Zuckermais Earlibird –> IFS Inc. in Illinois USA
  • Rote Bete Burpees Golden –> Petoseed Co Inc Saticoy, California

Etwas widerwillig werden zunächst noch weiterverwendet:

  • Gurke Swing F1 –> Nunhems BV

Ja, und wer ist nun wer?

Dazu musste ich erst einmal herausfinden welche Sorte wem gehört – und da hat doch die EU auch wieder etwas Gutes an sich. Saatgut von Nutzpflanzen, das in einem Land der EU zugelassen ist, ist automatisch in der gesamten EU zugelassen. Und somit gibt es einen einheitlichen Sortenkatalog, den man sehr bequem durchsuchen kann. Dieser nennt sich Plant Variety Database.

De Ruiter Seeds ist noch einfach. Es handelt sich um eine Tochter von Monsanto Vegetable Seeds.

„Monsanto offers the world’s vegetable growers more than 4,000 distinct seed varieties representing more than 20 species. Monsanto’s vegetable seed business serves open-field and protected culture customers through its brands: Seminis, De Ruiter Seeds and regional brands.“

Nunhem BV – ist eine Tochter von Bayer Crop Science (genauso wie übrigens die Marke Hild Samen), auch das findet sich problemlos auf der Seite von Nunhem.

Die IFS Inc. war ein klein wenig schwieriger herauszufinden, aber da hat es dann schon gereicht bei Google die Sprache zu wechseln um damit die Illinois Foundation Seeds, Inc zu finden – eine Tochter von DOW Agro Science, der Agro-Sparte von DOW Chemical.

Petoseed war ein wenig hartnäckig, und dann war wieder eine weitere Überraschung fällig. Petoseed ist eine Marke/Tochter von Seminis – wir erinnern uns an Monsanto (s.o. bei De Ruiter Seeds“).

Fazit

Der Vertrieb von Saatgut (auch Sorten der o.g. Hersteller) an Endkunden erfolgt in Deutschland unter anderem (!!!) über die Marken „Sperli“ & „Kiepenkerl“ (beides Marken der Bruno Nebelung GmbH), „Gärtner Pötschke, „Gartenland Aschersleben“ u.v.m.  Es bleibt für den Hobbygärtner kaum durchsichtig von wem er sein Saatgut bezieht – wenn er nicht vor dem Kauf einer jeden einzelnen Saaguttüte die „Plant Variety Database“ bemüht. Letztlich kauft er Saatgut auch von einem ganz großen Player im Saatgutmarkt – ohne es zu wollen. Mehr Transparenz wäre auch auf dem Saatgutmarkt für den Endverbraucher wünschenswert.

Ein guter Grund auch mal wieder nachdrücklich auf das Handbuch Bio-Gemüse: Sortenvielfalt für den eigenen Garten und Das große Biogartenbuch zu verweisen.

zum Weiterlesen

Im Übrigen widerspreche ich nachdrücklich der Unterstellung bei biogaertner.de ich hätte in diesem Beitrag eine Behauptung aufgestellt. Ich habe stets nachvollziehbare Belege geliefert. Auf einen „broken Link“ hätte man mich auch einfach mal ansprechen können. Ich empfehle einfach die Nutzung der o.g. Plant Variety Database. Dabei stößt man bei praktisch allen Saatgutmarken auf Sorten von de Ruiter, Seminis, Petoseeds, Nunhem und/oder IFS.

28 comments to Woher kommt mein Saatgut? – Update 22.1.2015

  • […] Woher kommt mein Saatgut (Blog Landeier) […]

  • Geronimo

    N. L. Chrestensen hat genau die gleichen Verpackungen als Kiepenkerl

    • Ähm nein – zumindest nicht bis einschließlich heute hier im PLZ-Bereich 52… in Deutschland in den mir bekannten Gartencentern /Baumärkten.
      N.L. Chrestensen Erfurter Samen- und Pflanzenzucht GmbH
      Geschäfts­führender Gesell­schafter: Frederick Niels Chrestensen
      HRB 100715 Amtsgericht Jena

  • Geronimo

    Bruno Nebelung GmbH ist mittlerweile Volmary GmbH

    • Ähm nein. Nicolaus Volmary ist geschäftsführender Gesellschafter der Bruno Nebelung GmbH (AG Münster HRB 12659). Veränderungen in den Einträgen beim Registergericht nach 2010 gibt es nicht. Geschäftsführer der Volmary GmbH (AG Münster HRB 12502) sind Hubertus Volmary, Frank Hüdepohl – man mag hier eine familiäre Verbindung erkennen – aber Bruno Nebelung GmbH ist rein rechtlich betrachtet nicht gleich Volmary GmbH.
      Wenn dich die Liste der Gesellschafter der beiden GmbHs interessiert kannst du sie für jeweils 1,50 € bei handelsregister.de abrufen.

  • Geronimo

    Vielen dank

    Kiepenkerl und Sperli haben ihren guten Ruf ausgespielt….und verloren

    wer einmal lügt dem glaubt man nicht
    und wenn er noch die Wahrheit spricht

    Bauern und Arbeiter der Welt vereinigt euch!

    • Was heißt „gelogen“? Fast keiner der mir bekannten Saatguthändler/Distributoren für Endkunden druckt auf das Saatguttütchen wer der Sorteninhaber ist. Aber mittlerweile herrscht immerhin soviel Transparenz, daß der Endkunde innerhalb der EU diese Informationen aus der Plant Variety Database erhalten kann.
      Die größte Transparanenz bietet nach meinem Kenntnisstand noch DReschflegel – auf deren Saatguttütchen steht zumindest der Vermehrer des Saatguts.

  • Für mich wird`s nicht nur auf dem Gebiet des Saatguts immer unübersichtlicher, und die Suche nach unvoreingenommenen Informationen gestaltet sich immer zeitaufwändiger.Deshalb vielen Dank für deine Hinweise und kritische Einordnung.
    Manchmal will ich es deshalb auch gar nicht so genau wissen, und betreibe Konsumverzicht oder kaufe wider besseren Wissens oder mit finsterer Ahnung durchaus auch Sperli Saatgut und F1 Saatgut .

    LG
    Sisah

    • Hybridsaatgut ist erst mal nichts Neues und eine altbekannte Züchtungstechnik und passiert in der Natur auch von ganz alleine. Wir haben uns allerdings entschieden überwiegend – aber nicht ausschließlich – heirloom varieties (historische Sorten) zu verwenden.

  • […] Auch ist ein erster guter Schritt, sich zu informieren, wo überall Monsanto drinsteckt (DeRuiter, Seminis, Dekalb, Kiepenkerl, Sperli) und diese Marken und Hersteller boykottieren. Informationen darüber findet ihr in vielen Blogs. Zum Beispiel hier, hier und hier. […]

  • […] Woher kommt mein Saatgut (Projekt Landeier) […]

  • […] markt an einem Beitrag zum Thema Frühling arbeitet. Sie möchte darin unter anderem die Herkunft des Saatguts in unseren Saatguttütchen thematisieren. Bei ihren Recherchen stieß auf dieses unseres Blog und […]

  • […] (Quelle) Share this:TwitterFacebookGefällt mir:Gefällt mirSei der Erste dem dies gefällt. Posted in: […]

  • Danke für die recherchearbeit zu firmenverknüpfungen!

    lg, brigitte

  • Unkrautaufesserin

    Vielen herzlichen Dank für die ausführliche Beschreibung der Zusammenhänge.
    Burpees Golden kannst Du aber wieder in die Saatgutkiste tun: es ist eine alte Sorte, die auch von Saatgutschützern wie Herrn Bohl vertrieben wird.
    Die Großen haben festgestellt, daß sich mit den alten Sorten Geld verdienen läßt. Also bieten sie auch wieder welche an… wahrscheinlich vorübergehend…

    Liebe Grüße!

    • Nur „anbieten“? Die Sorte „Burpees Golden“ ist laut Plant Variety Database eine Sorte, die Petoseeds gehört und mir gefällt es auch einfach nicht, wenn so eine historische Sorte in deren Fänge gerät – sie könnten die Sorte nach ihrem Gusto verändern „weiterentwickeln“ oder auch schlicht und ergreifend vom Markt ziehen, indem sie die Sortenzulassung einfach löschen lassen – und dies ist dann das Ende einer weiteren „heirloom variety“.

      Nun, recht hast du zweifellos, was die Herkunft der Sorte betrifft . vielen Dank für den Hinweis, ich werde den Artikel demnächst entsprechend ergänzen, respektive evt. einen eigenen dazu schreiben!

  • Vielen Dank für den Artikel und vor allem für den Hinweis auf die EU-Datenbank. Ich habe auch gerade 7 Stunden mit dem Thema verbracht und in meinem Blog darüber geschrieben – mit einer Grafik, der die Beziehungen von Monsanto zu Gärtner Pötschke und Bruno Nebelung als Besitzer der Marken Sperli und Kiepenkerl. Natürlich ist dein Blogpost bei den Quellenangaben dabei!

    Schöner Gruß

    Eva

  • […] ihr Projekt wirklich so, geben dem von Heiner Otterstedt ins Rollen gebrachten Stein unter “Woher kommt mein Saatgut” über die eigene Gartenmauer hinaus gleich noch einen weiteren Stoß. Und hierbei bitte ich […]

  • Maike

    Hallo Leute,
    ich bin echt kein Fan von Monsanto und würde es leiber sehen, dass es diese Leute nicht gäbe. Aber ich finde es reichlich unfair die Namen von Saatgutmarken hier in den Schmutz zu ziehen.
    Es ist hier aber definitiv falsch dargestellt, dass die Marken Kiepenkerl und Sperli Monsanto gehören oder zu Monsanto gehören.
    Nebelung ist ein Saatgut und Blumenzwiebelhandel in Familienbesitz. Die Firma kauft Saatgut ein und füllt es ab. Nicht alle Sorten von Kiepenkerl sind Sorten von Monsanto. Verkauft wird, was der Markt verlangt. Darunter eben auch resistente und tolerante Sorten von Monsanto.

    Maike

    • Hallo Maike,

      die oben genannten Monsanto-Sorten aus unserer Saatgutkiste werden in Deutschland u.a. auch von Kiepenkerl äh Volmary, äh Sperli äh … vertrieben

      Aber, anstatt mir hier zu unterstellen, jemanden in den Schmutz zu ziehen würde es reichen aufmerksam die Internetauftritte der genannten Unternehmen zu lesen. Ich habe oben ganz klar die Quellen benannt und den Artikel oben aber für dich auch gerne noch mal entsprechend deutlicher ergänzt.

      Ob Kiepenkerl im juristischen Sinne Monsanto letztlich zu gehört vermag ich nicht zu beurteilen – ich bin kein Jurist, sie haben aber wenigstens eine starke Verknüpfung.

      An keiner Stelle steht, daß alles Saatgut von Kiepenkerl von Monsanto ist, bitte lesen was da steht und nicht was du interpretieren möchtest! Danke

  • […] Saatgutfirmen und Hybride von jmsanta, am 11. März 2012 um 17:52 In einem Kommentar zu “Woher kommt ein Saatgut?” stellte London Rain diese Fragen: Mal so für einen unbedarften Laien: Was ist denn schlimm […]

  • London Rain

    Mal so für einen unbedarften Laien: Was ist denn schlimm daran Samen eines großen Herstellers zu verwenden? Und was sind samenfeste Hybride und was ist der Vorteil daran?

    • Zwei kleine Fragen, die nur mit einer langen Antwort zu beantworten sind – aber da mache ich besser einen eigenen Blogbeitrag draus und vertröste dich daher für einige Stunden mit meiner Antwort bis

    • Wer die Saaten besitzt, kann sie verändern und patentieren lassen und dann alle verklagen, die sie benutzen, ohne Lizenzgebühr abzudrücken. Auch wenn die Benutzer es gar nicht wussten. Monsanto betreibt Genmanipulation aus keinem anderen Grund und kauft auch deshalb alle Saaten auf.

  • Also ich habe das meiste Saatgut von AustroSaat, laut Homepage handelt es sich dabei um ein Familienunternehmen. Es ist eigentlich pervers, dass all diese „Marken“, die eine riesige Vielfalt von Anbietern suggerieren nur wenigen großen Konzernen zugeordnet werden können.

    lg kathrin

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