Brautag – Weihnachtsbier

Im Supermarkt tauchte vor einigen Wochen der erste Glühwein im Regal auf. Das Wetter hier glänzte auch nicht wirklich mit einem goldenen Spätsommer, sondern mit einem verregneten Herbst. Die Gurken sind alle am Mehltau eingegangen, den Tomaten ist es zu kalt und Licht fehlt ihnen auch, drei Viertel sind bereits an der Kraut- und Braunfäule eingegangen, die Chilis müssen auf Sumpfpflanze umschulen. Ein klarer Fall sich auf Weihnachten vorzubereiten.

An einem der letzten Wochenenden war daher in der Hexenküche der Weihnachtsbäckerei im Sudhaus Brautag angesagt.

Abfüllung India Pale Ale

Nebenbei haben wir das 1 Monat alte India Pale Ale in Flaschen abgefüllt und jede Menge Flaschen für die Abfüllung des Apfelbieres vorbereitet. Ja, Apfelbier – zumindest im steuerrechtlichen Sinne

Weihnachtsbier

  • 4 kg Münchener Malz (ca. 25 EBC)
  • 0,2 kg Karamellmalz (ca. 120 EBC)

einmaischen mit 18 Liter Wasser bei 50 °C

  • Eiweißrast 15 min @ 52 °C
  • Maltoserast 35 min @ 65 °C
  • langsam erhöhen auf 72 °C
  • Zuckerrast ca. 40 min @ 72 °C, bis Iodprobe negativ
  • abmaischen bei 78 °C

Läutern, Nachguss mit 9 Liter Wasser, Ausschlagmenge ca. 21,5 Liter. Die Sudhausausbeute betrug 60 %. Bis hierhin ein ganz „normales“, eher  süffiges Bier – kurze Maltoserast, lange Verzuckerungsrast –> viel nicht vergärbare Dextrine. Aber…

… das Kochen der Würze verläuft dieses Mal ein wenig anders.

Würze 90 Minuten kochen,

  • 15 min nach Kochbeginn 16 g Bitterhopfen (12,9 % Alphasäuren) & 3 Gewürznelken im Baumwollsäckchen
  • 60 min nach Kochbeginn 1 klein geschnittene Vanilleschote
  • 75 min nach Kochbeginn 16 g Aromahopfen (6% Alphasäure) im Baumwollsäckchen, 1 kg Orangenblütenhonig, 2 Zimtstangen, Schale einer Orange

Nach dem Kochen die Baumwollsäckchen entfernen und den Trub abtrennen. Mit abgekochtem Wasser bis auf ca. 12,5 °P verdünnen. Ich hatte nach dem Würzekochen knapp 17 °P. Bitterung ca. 33 IBU.

Zum Einsatz kommt die die Hefe SafBrew T-58 von Fermentis, die fruchtige/estrige Aromen mit einer leichten Pfeffernote erwarten lässt – perfekt passend zu einem Weihnachtsbier. Der Geruch der Würze ist ein einziges Gedicht.

Und warum das Ganze jetzt schon? Nein, nicht nur wegen des Wetters! Ein gutes Bier braucht nicht 7 Minuten – wer das behauptet, hat seine Zapfanlage nicht im Griff oder zapft zum ersten Mal ein Irish Stout 😉 . Nein, ein gutes Bier braucht mind. 7 Wochen für Gärung & Reifung. Dieses Bier soll sogar gute 3 Monate im Keller reifen dürfen. Die Hauptgärung war nach einer Woche abgeschlossen, 2 Tage Diacetylrast bei Zimmertempertatur sollten diese unangenehme Substanz entfernt haben. Derzeit befindet sich das Grünbier zur Nachgärung im Glasballon – es galt noch ca. 6 °P zu vergären.

Das so genannte „Reinheitsgebot“

Bevor jetzt irgendwelche Industriebier-Pils/Weizen/…-Trinker nörgeln:  Ehrlich gesagt, das Reinheitsgebot interessiert mich seit etwa einem Jahr nicht mehr die Bohne! Denn dann dürfte ich nicht mal Reinzuchthefen verwenden und außerdem gilt in Deutschland eh nur das „Vorläufige Biergesetz„.  Für Hobbybrauer gelten diese lächerlichen und antiquierten Gängelungen zum Glück so oder so nicht. BTW, selbst die meisten Brauereien, die mit der Einhaltung des Reinheitsgebotes werben weichen sehr oft davon ab, da sie diverse „seltsame“ Zutaten (z.B. Hopfenextrakt, geschwefelten Hopfen) & Hilfsstoffe (Polyvinylpolypyrrolidon, Kieselsäure) verwenden, aber wenn diese später im Bier nicht mehr bzw. kaum noch enthalten sind, interessiert’s auch keinen. Spätestens die ganzen deutschen Industriebiere, die ins Ausland exportiert werden, halten sich nicht mal mehr an das vorläufige Biergesetz. Um Verbraucherschutz geht es in der Gesetzgebung schon lange nicht mehr, sondern nur noch um eine Abschottung des heimischen Marktes und Schutz der Marktanteile der Industriemassenbiere.

Steuerrechtlich ist das was ich braue auf jeden Fall ein Bier, da ich vermälztes Getreide verwende und reduziert somit auch meine zulässige steuerfreie Menge. – Was auch für das weiter oben erwähnte Apfelbier zutrifft, da es auch Malz enthält um ein wenig Süße hinein zu bekommen und es nicht so furztrocken wie die IMHO ungenießbare vergorene hessische Apfelplörre („Äppelwoi“) wird. Im Übrigen auch dieses wurde diese Woche abgefüllt und darf nun noch zwei Wochen plus X in Flaschen reifen

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